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Landwirtschaft und Umweltverträglichkeit

Von Guecello co. di Porcia e Brugnera

Die heißesten, in den letzten fünf Jahren von den Medien aufgegriffenen Themen sind aufs Engste mit der Aufwertung der Agroenergien und der multifunktionellen Rolle der Landwirtschaft verknüpft. Es steht fest, dass die Wettbewerbsfähigkeit und die landwirtschaftliche Produktivität heute ausschließlich und alleine auf der Ebene der Umweltverträglichkeit ausgespielt werden können: Die erneuerbaren Energien verkörpern für den Agrar- und Viehzuchtsektor die neue Grenze des dritten Jahrtausends.

Wenn man unter nachhaltiger Landwirtschaft im weiteren Sinn jene versteht, die den globalen Agrar- und Nahrungsmittelbedarf zu decken imstande ist, so steht diese im engeren Sinne für eine Landwirtschaft, die alle im Bezug auf den Umweltschutz und die Biodiversität zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Techniken nutzt und die bisher mit dem Sektor verbundenen Bedürfnisse durch neue Zielsetzungen vervollständigt.

Mein Betrieb hat für mehr als 800 Weinlesen und  800 Ernten, und damit schon sehr lange vor dem Medienrummel um die katastrophischen Vorhersagen in Sachen ÖL-CRASH und vor der Notwendigkeit, die Schadstoffemissionen aus der Verbrennung und dem Abbau von Gas und fossilen Mineralien zu verringern, eine Methode angewandt, die man heute allgemein als „traditionellen Ackerbau“ bezeichnet. Und genau dieses Modell wird nun paradoxerweise im Nachhinein neu gewertet und als das wirkungsvollste und langfristig nachhaltigste System angesehen. Diese Methode, die über Jahrhundert hinweg im Einklang mit einer gebenden und nehmenden Natur stand, aber vor allem den Lebensunterhalt und Arbeitsquelle der bäuerlichen Familien sicherte, war einst die einzig mögliche: die Methode des Fruchtwechsels. Damit soll gesagt werden, dass das Verhältnis zwischen Umweltverträglichkeit, Bewahrung der Natur und der Landwirtschaft sicherlich kein neues Thema ist.

Ich persönlich sehe keinen Nutzen in den Kassandrarufen zur Zukunft nach dem Erdöl, aber es ist zweifellos gut, dass die nationalen Regierungen und die EU-Politiken die Landwirtschaftsbetriebe durch finanzielle und steuerliche Anreize zu Investitionen in Agroenergien und die damit verbundene Produktion von erneuerbaren Energiequellen auffordern, um so die Entwicklung der gesamten Agrarwirtschaft- und Agrarindustriekette zu unterstützen und die unhaltbare Energieabhängigkeit von Drittländern zu verringern.

Mein Betrieb hat diese außerordentliche Gelegenheit ergriffen und in drei wichtige Projekte investiert:

1) In der Fattoria di Azzano Decimo wurden die Dachstrukturen der Viehställe, der Kellerei und der Geräteschuppen über eine Gesamtfläche von 2500 Quadratmetern mit Photovoltaik-Paneelen ausgerüstet, deren Energieerzeugung es ermöglichen wird, die Bilanz zwischen der Produktion und dem Stromverbrauch des Betriebs selbst positiv auszugleichen.

2) In Porcìa liegt in der Nähe des Familienschlosses das Wasserkraftwerk, das den Energiebedarf der historischen Kellerei und des Wine Shops sicherstellt. Die Abänderung der Kraftwerksturbine wird gerade eingehend untersucht, um die unterschiedlichen Wassermengen und die Hochwässer des Rio Buion aufnehmen zu können und die Stromerzeugung von derzeit 180.000 kW auf 300.000 kW pro Jahr zu steigern.

3) In der Fattoria di Azzano Decimo Es handelt sich dabei um den Bau einer Biogas-Anlage, die durch die Vergärung von Getreidepflanzen betrieben wird, um einen endothermischen Motor mit 1 MW Höchstleistung zu versorgen. Diese Struktur wird die Einspeisung von 8.400.000 kW pro Jahr in das Stromnetz ermöglichen, was dem Verbrauch von 2850 Personen entspricht. Zur Versorgung der Biogas-Anlage werden ausschließlich Getreidepflanzen wie Mais und Triticale (eine Kreuzung zwischen Weizen und Roggen) verwendet werden, deren Anbau auf zum Betrieb gehörendem Ackerland (zirka 600 Hektar Bodenfläche) erfolgt und die für diese Produktionsstruktur mehr als ausreichend sind. Eine eventuelle Antragsintensivierung würde jedoch in jedem Fall stets nach dem Prinzip des Fruchtwechsels erfolgen.

Bio-gas plant at the Fattoria di Azzano

Der für die Biogas-Anlage bestimmte Teil des Getreideertrags stammt hauptsächlich aus den zweiten Ernten, während die erste Ernte zur Tierfütterung oder für die verarbeitende Futtermittelindustrie bestimmt ist. Ein Teil der vom Biogas-Motor erzeugten Wärme wird zur Beheizung der Gebäude des Landwirtschaftsbetriebs in Azzano Decimo eingesetzt werden und könnte durch ein Fernwärmesystem auch zu anderen, nicht in der Nähe liegenden Wohneinheiten geleitet werden (für die Umweltbilanz bedeutet dies 1060 kW Wärmeleistung und 0 kg CO²).

Interessant ist auch die Wiederverwendung der “Gärreste” (Rückstände der Anlage): Was den flüssigen Teil betrifft, so wird dieser über einen Wasserabscheider in das Bewässerungssystem des Landwirtschaftsbetriebs geleitet werden, wodurch sich die Entnahme von Flusswasser verringert.  Die festen Bestandteile werden hingegen als Wirtschaftsdünger verwendet werden, da sie nach der Methangas-Erzeugung immer noch einen erheblichen Stickstoffanteil aufweisen.
Durch die Zuführung dieser organischen Stoffe und die Verringerung des Energieverbrauchs bei den Verarbeitungen wird der Bedarf an chemischen Düngemitteln also weiter reduziert und damit auch die Bodenstruktur verbessert. (Mein Betrieb kann also auch auf die Rindergülle als Düngemittel zählen.)